Ein perfektes Gebiss für kleine Nussknacker
Warum Eichhörnchen harte Nussschalen brauchen, was ihren geteilten Unterkiefer besonders macht und warum Zahnfehlstellungen so gefährlich sind.

Unsere Eichhörnchen besitzen ein Gebiss, das perfekt auf ihr Leben in der Natur abgestimmt ist: 22 Zähne, darunter keine Eckzähne. Es gibt nur die vorderen Nagezähne und die Backenzähne.
Nagezähne, die ständig nachwachsen
Die markanten Nagezähne sitzen paarweise im Ober- und Unterkiefer. Sie sind lang, gebogen, bei erwachsenen Tieren sehr scharf – und wachsen ständig nach. Die Vorderseite ist mit hartem Zahnschmelz überzogen, die Rückseite ist weicher.
Bei korrekter Zahnstellung schleifen sich die Nagezähne beim Knacken harter Nussschalen gegenseitig ab. So schärfen sie sich von selbst und behalten die richtige Länge.
Der geteilte Unterkiefer
Eine Besonderheit ist der geteilte Unterkiefer: Er besteht aus zwei einzelnen Knochenleisten, die am Kinn beweglich miteinander verbunden sind. So können Eichhörnchen die unteren Nagezähne um zwei bis drei Millimeter spreizen – und den Nusskern wie mit einer Pinzette durch ein kleines Loch aus der Schale holen.
Hinter den Schneidezähnen folgt eine größere Lücke. Erst weiter hinten sitzen die Backenzähne, mit denen Nüsse zu feinem Brei zerkaut werden.
Warum weiche Nahrung gefährlich ist
Würde ein Eichhörnchen nur weiche Nahrung fressen, würden die Nagezähne nicht mehr abgeschliffen. Sie wachsen dann immer weiter, bis das Tier keine Nahrung mehr aufnehmen kann. Deshalb sollten Eichhörnchen überwiegend Nüsse mit Schale bekommen.
Zahnfehlstellungen nach einem Sturz
Viele Jungtiere, die zu uns kommen, sind beim Sturz aus dem Kobel auf das Gesicht gefallen. Neben Nasenbluten und Schädel-Hirn-Trauma kann dabei der Kiefer so verletzt werden, dass sich eine Gebissfehlstellung entwickelt.
Solange die Jungtiere noch klein sind, versuchen wir, Kiefer- und Zahnfehlstellungen mit speziellen Maßnahmen zu korrigieren. Die Behandlung ist schmerzfrei, doch ältere Tiere regen sich dabei zunehmend auf und wehren sich heftig. Kann ein Tier dauerhaft nicht mehr fressen, bleibt manchmal nur der Weg zum Tierarzt, um es von seinem Leid zu erlösen. Das ist die traurige Seite unserer Arbeit.